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Zeitenwende 1918

Wer auf der Habsburg steht, denkt in der Regel an die Anfänge (es waren mehrere) und an den Aufstieg einer Familie, die politisch prominent war, 900 Jahre lang, vom 11. bis ins frühe 20. Jahrhundert, und gesellschaftlich noch immer etwas gilt. Wer dann seine Aufmerksamkeit dem Zusammenbruch zuwendet, kommt am Epochenjahr 1918 nicht vorbei. Was Gustav Adolf nicht erreichte, was Mehmed IV und sein Grosswesir Kara Mustafa nicht fertigbrachten, was Napoleon weder konnte noch eigentlich wollte, dem Haus Österreich ein politisches Ende zu setzen, 1918 trat es ein.

Welche Zäsur dieses Jahr für die Zeitgenossen bedeutete, zeigen Texte wie etwa diejenigen eines Manès Sperber oder eines Stefan Zweig. Dass es sich dabei nicht um literarische Überhöhungen handelt, sondern um talentvolle Darstellung dessen, was viele empfanden, wird jedem Leser der im Rahmen des Projekts "Kriegsnachrichten" online zugänglich gemachten Rheinfelder Presse klar. Mit redaktionellen Hammerschlägen verabschiedet sich die "Volksstimme aus dem Frickthal" am letzten Tag von einem Jahr grösster Umwälzungen:
"... das Jahr 1918 ist nun tot und niemand weint ihm nach. Doch es hinterlässt uns seine Erbschaft: eine ungeheuerliche, im Guten wie im Bösen. Ein wirtschaftlich ruiniertes Europa, ganze Riesenreiche ohne gefestigte staatliche Ordnung. Auf der anderen Seite grosse herzdurchschütternde Ideen: ein Bund der Nationen, der das Kriegselend für immer ausschaltet, eine Regelung der sozialen Zustände, die die Armut vernichtet."

Drei Kaiserreiche ohne gefestigte staatliche Ordnung: Österreich-Ungarn, vom Winde verweht, das Deutsche Reich, revolutioniert und verkleinert, Russland, im Bürgerkrieg mit sich selber beschäftigt und gleichzeitig Trägerin der sozialen Idee. Das Totalitäre der kommunistischen Ideologie sollte sich erst mit der Zeit weltweit in voller Schärfe zeigen. Der Völkerbund erscheint in der "Volksstimme" als Hoffnungsträger. Formell sollte er erst 1920 gegründet werden und nach dem Zweiten Weltkrieg machte er der UNO Platz, aber nach wie vor ist das internationale Genf eine insgesamt segensreiche Realität, verwirklicht nicht zuletzt dank dem unermüdlichen Einsatz des Präsidenten des IKRK und gleichzeitig Bundesrates Gustave Ador (im Bundesrat 1917-1919).
So zeigt der Blick zurück auf 1918 und der Blick hinaus zu den Schicksalen von Weltstädten (St. Petersburg, Wien, Berlin), aber auch in unsere Nachbarschaft (Mulhouse), die Bruchkante zwischen dem dahingegangenen alten Europa und geistigen wie machtpolitischen Elementen, die unsere Gegenwart selbst heute noch stark mitbestimmen.